Wir sind das Klima! – Jonathan Safran Foer

Wir sind das Klima - Buch Review
David
David

Autor von MyGreenJourney

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2.5/5

2,5 von 5 Sternen

Jonathan Safran Foer ist ein amerikanischer Autor, der bereits zahlreiche Romane veröffentlicht hat. In Deutschland erlangte er durch sein erstes Sachbuch Tiere essen* große Bekanntheit. Darin beschreibt er die Absurdität der weltweiten Massentierhaltung und der damit verbundenen Probleme im Kampf gegen den Klimawandel. Mit seinem zweiten Sachbuch Wir sind das Klima! knüpft er daran an und zeigt, dass ihm das Thema persönlich sehr wichtig ist.

Die Klimakrise ist vielen Menschen zu abstrakt

Die für mich wertvollste Aussage des Buches ist, dass wir Menschen und unsere inneren Alarmanlagen nicht für abstrakte Gefahren, wie die Klimakrise, gebaut sind. Wir glauben zwar an den menschengemachten Klimawandel und halten Gegenmaßnahmen für grundlegend richtig, jedoch können wir die Tragweite des Problems nicht erfassen um daraus Konsequenzen zu ziehen. Die Komplexität der Situation lähmt uns innerlich und hinterlässt oft Ratlosigkeit. Ich finde diesen Fakt hochgradig relevant, denn er zeigt das eigentliche Problem auf. Zwar haben wir das Wissen über den Klimawandel aber wir handeln nur halbherzig. Auch Jonathan Safran Foer schließt sich damit ein und berichtet in seinem Buch über Momente in denen er nicht nachhaltig handelt. Der Autor lässt generell sehr viele persönliche Einblicke von seinem Leben und seiner Denkweise zu. So führt er in einem Kapitel ein Zwiegespräch mit seiner Seele, die ihn auf seine Unzulänglichkeiten aufmerksam macht und wie er selber nicht nach den Regeln lebt, die er dem Leser in seinem Buch empfiehlt.

Zwei mögliche Reaktionen auf den Klimawandel: Resignation oder Widerstand

Bloße Fakten reichen scheinbar nicht aus um uns Menschen zum Umdenken zu bewegen. Aber Jonathan Safran Froer verweist in seinem Buch dennoch darauf, dass wir nicht damit aufhören sollten Wissen zu teilen. Denn wir alle leben in Routinen und diese müssen erst einmal aufgebrochen werden um danach Neue zu erlernen. Das braucht Zeit und außerdem bleibt uns gar nichts anderes übrig als immer wieder auf die Wichtigkeit der Themas zu verweisen.

Will man die nötige Bereitschaft erzeugen, der Krise unseres Planeten zu begegnen, muss man dafür sorgen, dass sie uns wichtig genug ist.

Jonathan Safran Foer
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Daher ist es klar, dass sich der Autor für den Widerstand entscheidet. Dabei verweist er auf die vier wirksamsten Maßnahmen gegen den Klimawandel und zwar: Pflanzlich ernähren, Flugreisen vermeiden, kein Auto fahren, weniger Kinder kriegen. Hier muss ich erste Kritik äußern. Denn auch wenn die Maßnahmen nicht falsch sind, so sind sie mir zu kurz gedacht. Denn in vielen Fällen haben wir Konsumenten kaum Einfluss auf die negativen Auswirkungen der großen Unternehmen oder der weltweiten Landwirtschaft. Es müssen Strukturen geschaffen werden, die nur die Politik verabschieden kann. Der Untertitel des Buches lautet ja etwas frech „Wie wir unseren Planeten schon beim Frühstück retten können“. Auch wenn das nicht 100% ernst gemeint ist, vermittelt es eine gewisse Philosophie der kleinen Schritte. Ab und zu blitzen die Wörter „systemischer Wandel“ zwar auf, jedoch für mich nur am Rande.

Manchmal doch etwas reißerisch

Jonathan Safran Foer schreibt vom Untergang der Welt und das wir Menschen die Sintflut aber auch die Arche für die Welt sein können. Zudem berichtet er über den Aufbau von DNA- und Saatgutdatenbanken um im Falle eines Zusammenbruchs der Welt für den Wiederaufbau gewappnet zu sein. Ich bin mir nicht ganz sicher ob beim Leser Panik ausgelöst werden soll oder was dahinter steckt. Denn am Ende sind wir wieder beim Ausgangsproblem, dass das Abstraktionslevel zum eigenen Handeln zu groß ist. Auf der anderen Seite zeigt es auch wie schwer es ist, das Thema Klimawandel auf der „perfekten Flughöhe“ zu vermitteln, so dass wir alle damit beginnen etwas dagegen zu tun.

Mein Fazit:

Sowohl Cover als auch der Untertitel, lassen einen Nachfolger des Bestsellers „Tiere essen“ vermuten. Dem ist aber nicht so! Zwar wird das Thema Fleischkonsum und Massentierhaltung angerissen, jedoch erst in der zweiten Hälfte des Buches. Anstatt dessen zitiert Jonathan Safran Foer zahlreiche Studien, Bücher oder Ex-Politiker wie Al Gore um der geneigten Leser*in bereits bekannte Informationen über den Klimawandel zu liefern. Neue Denkanstöße oder Informationen habe ich dadurch nicht gewinnen können.
 
Gepaart ist das Ganze oft mit privaten Geschichten über sein Leben als Jude oder der Beziehung zu seiner Verwandtschaft. Um ehrlich zu sein, haben mir diese inhaltlichen Sprünge nicht dabei geholfen das Buch flüssig zu lesen. Im Gegenteil. Ich habe mir beim lesen sehr schwer getan und fragte mich oft welchen Fokus das Buch haben soll. Ist es ein persönlicher Einblick in das Leben des Autors, ein Ratgeber oder ein Aufklärungsbuch über den Klimawandel?
Mein persönliches Highlight war das Kapitel im Zwiegespräch mit seiner Seele. Darin reflektiert sich der Autor extrem authentisch und stellt sich und sein Handeln in Frage. Darin erkenne ich mich extrem wieder wenn ich mal wieder im Auto sitze und einen riesen Sack Plastikmüll wegfahre während ich an den nächsten Urlaub per Flugzeug denke. Denn nachhaltiger zu leben ist eine verdammt große Herausforderung und kann ein sehr langer Weg sein. Das zeigt Jonathan Safran Foer auch an sich selbst und hat somit ein sehr authentisches und ehrliches Buch veröffentlicht.

Wir sind das Klima! hier bestellen

Artikelbild von mygreenjourney.de & Buchcover Credits: S.Fischer Verlage

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Über den Autor

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